Accuphase E-650, Vollverstärker

Welche Händler auch in der Corona-Krise Accuphase zuhause bei Ihnen präsentieren, erfahren Sie hier. Oder telefonisch hier.

Verstärker von Accuphase weisen eine Charakter-Eigenschaft auf, die sie einzigartig macht. Das hören Freunde der japanischen Marke mit Freude, andere hingegen versuchen, diesen Wesenszug ins Negative zu kehren. Die Rede ist von »Ruhe«. Wir sprechen von Störabständen, die der Mitbewerb allenfalls mit ausgeschalteten Amps schafft.

Accuphase E-650, um 11.000 Euro

Ohne Übertreibung: In meinem Besitz finden sich einige CDs, deren Dynamik nicht von dieser, aktuell ja ziemlich datenkastrierten Welt ist: Tonträger, die einst das Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin einspielte und von denen kundige Toningenieure eine ungeschnittene und eben »nicht Dynamik komprimierte« Fassung präsentierten. Quasi Versionen von typischen Kauf-CDs, auf denen jeder Huster, jedes Stuhlgeknarze feinst digital entfernt wurden und deren – damit sie auch im Auto noch konsumiert werden können – dynamische »laute« Berge abgetragen und »leise« Täler aufgefüllt wur- den. Musik pur, ohne Limitierungen: Bis zu 60 dB Dynamik stehen auf meinem Programm oder – ganz konkret – im Schlund eines CD-Spielers. Wer – und das unterstelle ich beim Leser dieser Zeilen – in HiFi und High End investierte, weil ihm Musik mit all ihren Facetten heilig ist, der wird diese Dynamik-Juwelen schätzen.

Es geht immer noch besser Er erfreut sich schon daran, in sehr leise eingespielten Musik-Passagen den Lautstärkeregler seines Verstärkers genauso unangetastet zu lassen wie mit brachial lauten: Let the music flow, lasse sie, wie sie ursprünglich war. Denn jeder Dreh am Pegel-Steller zerstört die Illusion des Authentischen.

Doch was schmälert ebenso den Eindruck, einem echten, realen Konzert beizuwohnen? Es sind die kleinen, vermeintlich unvermeidlichen »Geräusche« der reproduzierenden Elektronik: Ein mehr oder minder »geschorener« Rauschteppich, der sich stets im Pianissimo ausbreitet, womöglich gepaart mit einem vernehmbaren Brumm. Sie kennen das, oder? Beide Störenfriede im Zaum zu halten, sie zu zügeln und von Entwicklungsstufe zu Entwicklungsstufe weiter einzudämmen, wäre denn auch eine der Antriebsfedern der High Fidelity.

Doch was ist, wenn sie tatsächlich vollends verschwunden wären? Dann käme Musik wirklich aus dem »Nichts« und gerade die dynamischen Täler kämen im Wohnzimmer so überzeugend natürlich daher wie im Konzertsaal. Die perfekte Illusion.

Genau das ist es, was einen Accuphase- Amp ausmacht. Das kann er. Verblüffend am Anfang einer Beziehung zu ihm, später wird’s zur Selbstverständlichkeit. Das treibt Accuphase auf die Spitze, zumindest ist mir (aktuell) kein Hersteller bekannt, der Ähnliches auf ganzer »Verstärker-Linie« umzusetzen weiß.

Damit wir keinen Missverständnissen aufsitzen: Die genialen, dem Musikgenuss sehr zuträglichen Störabstände alleine reichen bei Weitem nicht, einem Verstärker Referenz-Weihen zu verleihen.

Musik ist Bewegung  Mich packt Musik erst dann, wenn sie mich nicht einfach nur so »mitnimmt«, sondern direkt »mitreißt«. Sie muss mich packen mit ihrer Dramatik, ihrer Trauer, ihrem spontanen Witz, ihrer Fähigkeit also, echte, ungefilterte Emotionen zu wecken und im Idealfall zu »schüren«. Darf ich vorstellen – der in weiten Teilen im Class-A-Betrieb operierende Vollverstärker Accuphase E-650, etwas günstiger als sein Vorgänger E-600, aber nochmals 600 Gramm schwerer als der alte. Eine Komponente, die schaffte, was andere blumig versprechen: großes, lebensnahes Kino, die Transformation der Konserve in die Wirklichkeit. Dahinter steckt einfach mehr als dumpfes Marketing, der E-650 ist auch kein Produkt von begnadeten Musikern, sondern eines von sehr anspruchsvollen Ingenieuren, die viel von Musik verstehen und die vor allem eins nicht scheuen: Kosten. Wenn’s der Reproduktion zuträglich ist.

Man betrachte allein den Lautstärkeregler, der einem früher üblichen rein optisch gleicht. Dahinter verbirgt sich indes ein ungemein aufwendiger Pegel- sensor, der in einem hochsteifen, aus einem massiven Stück Aluminium extrudierten Rahmen montiert wurde. Die damit gesteu- erte Lautstärkeregelung – genannt Balanced AAVA – wird derzeit an Opulenz, Genauigkeit und Bauteileaufwand von keinem (mir bekannten) Verstärker getoppt. Wer das staunend betrachtet, wundert sich nicht mehr über die einzigartigen Rausch-Ab- stände des E-650. Eine Material-Offensive, die sich übers gesamte Konstrukt fortsetzt: Halten Sie Ihr Ohr doch mal über diesen Koloss von Ringkerntransformator (bei geschlossenem Gehäuse bitte!). Hören Sie was? Nee, nicht einmal die Idee eines ultra­ leisen Brumms ist wahrnehmbar.

It’s a kind of magic Heben Sie den 650er mit Ihrer Arme Kraft an: Über 25 Kilo­ gramm wiegt der feine Amp, und kein Gramm davon ist Show, alles dient dem Klang, und nur dem Klang.

Älteren Verstärkern von Accuphase habe ich mitunter ins Stammbuch geschrieben, ihr Klang sei vergleichbar mit einem stillen See, bei dem man zwar auf den Grund schauen könne, aber der Fluss des Gewäs­ sers bleibe ein wenig auf der Strecke. An die­ser Stelle erklärt sich Fortschritt: Mir ist in den letzten Jahren kein integrierter Verstärker begegnet, der die Spannbreite von absoluter Ruhe zu explosionsartiger Kraft­entfaltung so überzeugend darstellte. Er wirkte dabei übrigens nie angestrengt, und selbst mit ziemlich heftigen Attacken, bei denen man eher um das Leben einzelner Lautsprecher­Chassis fürchtete, wahrte der E­650 Souveränität. Dann hat er zwar sei­ nen Class­A­Modus hinter sich gelassen und schuftete im AB­-Betrieb, Einbußen am Klang konnte ich während der gesamten Test­-Dauer keine ausmachen.

Wie gut, dass selbst Accuphase­ Vestärker aus dem letzten Jahrtausend mit »Kusshand« in Zahlung genommen wer­ den. Wenn Sie so einen besitzen, sollten Sie jetzt mit einem Austausch liebäugeln – nach der ersten Betriebsstunde werden Sie wissen, weshalb. Allen anderen kann man nur anraten, Accuphase in die engste Wahl zu nehmen.

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